PROFIL – Artikel vom 4.4.2011

Turbulenzen im Grazer Joanneum: “Weggeschmissen wie Müll”
Die Personalentscheidungen im Universalmuseum Joanneum stoßen auf Widerstand bei Leihgebern und Künstlern. Auch Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek übt scharfe Kritik.
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Offener Brief von Ralf Schilcher an die Medien, die Kulturpolitik und die involvierten Personen im Universalmuseum Joanneum (UMJ)

Sehr geehrte Damen und Herren,

vorweg möchte ich klarstellen, dass ich diesen offenen Brief als Kurator des UMJ, Obmann des Fördervereines „Skulpturenpark“ und Vorstandsmitglied des Fördervereines “Neue Galerie“ schreibe. Meine Meinung bildet nicht die Meinung des Kuratoriums ab.

Die bedauerlichen Entwicklungen der letzten Tage, die einen für das steirische Kunstleben hochpeinlichen Eklat hervorbrachten, haben ihre Wurzeln in der Vergangenheit. Die Neue Galerie war immer eine im hohen Ausmaß eigenständige, international sehr erfolgreiche Institution für Forschung, Publikation, Sammlung und Ausstellung hochwertiger zeitgenössischer Kunst. Als solche hatte sie schon immer eine schwierige Position im Umfeld des eher historisch orientierten Joanneums. Dazu muss auch gesagt werden, dass im Rahmen der einzigartigen Leistungen Erzherzog Johanns damals die zeitgenössische Kunst nicht im Spitzenfeld seiner Aktivitäten rangierte und die Bedingungen der internationalen Kunstszene erfordern ein autonomes Handlungsfeld. Allein der Name „Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum“ war höchst verwirrend für ein Museum.

Nachdem in den 1990-er Jahren derlei sinnvolle Autonomiebestrebungen leider zu keinem erfolgreichen Ergebnis führten, entschloss sich die Politik Anfang des Jahrtausends zu einer fatalen Fehlentscheidung. Im Zuge der Planung des Kunsthauses anlässlich des bevorstehenden Kulturhauptstadtjahres 2003 wurden beide Häuser – Kunsthaus und Neue Galerie – dem Joanneum zugeteilt. Dabei wurde als Gipfel dieses Irrtums die Neue Galerie als Abteilung der Intendanz unterstellt und das Kunsthaus höherrangig der Intendanz direkt zugeordnet. Eine klare Form von Zweitrangigkeit. Dazu lernt der Student für Organisationslehre im ersten Semester, zu welchen Folgen dies führt. Einem höchst erfolgreichen starken Leiter, der eines der größten Kunstinstitute überhaupt, das ZKM in Karlsruhe, führt, kann man nicht von heute auf morgen einen anderen, starken Leiter vorsetzen. Das schmerzliche, aber voraussehbare Ergebnis haben wir heute. Der nächste Fehler war, dass man die beiden Häuser nicht autonome budgetierte oder wenigstens unter eine synergetisch wirkende, gemeinsame Führung stellte.

Als Mitglied der Grundlagenkommission „Kunsthaus“ und als Mitglied des „Programmarbeitskreises 2003“ warnte ich damals alle Beteiligten und Politiker massivst vor dieser Lösung und versuchte vergeblich eine bessere Basis für das Kunstgeschehen der Steiermark zu erreichen. Der Intendant von „2003“, Wolfgang Lorenz, der anfänglich anderer Meinung war, hat dies erkannt und bekundet. Unter anderem, er sei mein Zeuge. Die meisten Entscheidungsträger dieser damaligen kulturpolitischen Fehlentscheidung sind nicht mehr in ihren Ämtern. Die ganz wenigen, die es noch sind, mögen diesen Scherbenhaufen mit in ihre Verantwortung nehmen.

Graz hat an Stelle von zwei Häusern, die im gesunden Wettbewerb oder vernünftigen Gleichklang miteinander arbeiten, ein beschämendes Szenario

Einer der bedeutendsten Kunstkuratoren und Kunsttheoretiker überhaupt, der über 20 Jahre lang die Kunstlandschaft enorm belebte und Graz international beachtlich platzierte, geht der Stadt verloren. Neben der Neuen Galerie war er eine entscheidende Triebfeder bei der Gründung des Skulpturenparks, Initiator und erster Obmann des Grazer Kunstvereines Medienturm und zahlreicher anderer Initiativen. Sein kongeniales Alter Ego in der Neuen Galerie – und das heißt etwas bei Peter Weibel – das über 30 Jahre lang den Ruf des Hauses mitgeprägt hat, ist unmittelbar vor der Eröffnung der neuen Räume und damit eines epochalen Abschnittes nicht mehr. Christa Steinle darf gegen Ende ihres Berufslebens die Früchte ihrer Arbeit nicht mehr ernten. Elisabeth Fiedler, die mit viel Fingerspitzengefühl diese schwierigen, systemimmanenten Probleme in den letzten Jahren steuerte und die fast unlösbare Situation des finanziell weit unterdotierten Skulpturenparks bravourös bewältigte, ist auch nicht mehr dort, wo sie sein sollte.

Auch wenn ich den diesen Zustand verursachenden Personen Verständnis für die schwierige finanzielle Situation entgegenbringe und ich ihnen persönlich teilweise nahe stehe, muss im Interesse der Kunst klar gestellt werden: Die Politik hat nach den offensiven Schritten der letzten Jahre rund um das Joanneum mit ihrer drastischen Einschränkung eine nicht nachvollziehbare und gleichzeitig, wie man am Ergebnis sieht, fatale Entwicklung angestoßen. Nichts gegen strukturelle Verbesserungen, aber alles gegen Reformierung als Selbstzweck, ohne Augenmaß und Sachbezug. Und die Joanneumsführung hat bei den personellen Entscheidungen – und jetzt drücke ich mich ganz zurückhaltend aus – weder Fingerspitzengefühl noch Führungsqualitäten bewiesen. Und ich sage das nicht nur als Mensch, der seit fast drei Jahrzehnten im Kunstbereich tätig ist, sondern auch als Mensch, der seit vier Jahrzehnten Unternehmen und Personal erfolgreich führt.

Dies alles schreibe ich aus der Sicht meiner in der Einleitung erwähnten Aufgaben. Eine weitere Legitimation und Verpflichtung ergibt sich aus meiner über 25-jährigen Tätigkeit im Grazer Artelier. Ich, als Leiter der Artelier Collection und auch Petra Schilcher, die Leiterin der Artelier Contemporary, bedauern diesen weiteren Verlust an internationaler Reputation der Grazer Kunstszene. Nachdem schon fast alle Grazer Galeristen in den letzten Jahren das Handtuch geworfen haben, stellt sich die dringende Frage, ob vor diesem Hintergrund eine Tätigkeit in Graz noch Sinn hat. Und dies sage ich mit allem Nachdruck als einer, der dies alles privat finanziert und riskiert und keinerlei öffentliche Steuergelder verbraucht, die in Zeiten wie diesen ja so bedeutend und rar geworden sind. Und wir bedauern und protestieren auch heftigst, dass einer der wichtigsten Künstler unseres Galerie & Editionsbetriebes, Peter Weibel, aus Graz vertrieben wird.

Ralph Schilcher
 
 

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SALZBURGER NACHRICHTEN – Artikel vom 1.4.2011

Solidarität mit Christa Steinle und Peter Weibel
Ohne Peter Weibel und ohne Christa Steinle sei für ihn „gegenseitiges Vertrauen nicht mehr da“, sagte Ernst Ploil am Donnerstag den SN.
Salzburger Nachrichten vom 1.4.2011 Link

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KLEINE ZEITUNG – Artikel vom 1.4.2011

Unterstützung von Künstlern für Peter Weibel
Kleine Zeitung – 1.4.2011 Link

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KLEINE ZEITUNG – Artikel vom 30.3.2011

Joanneum kündigt Vertrag von Berater Weibel
Kleine Zeitung – 30.3.2011 Link

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DER STANDARD – Artikel vom 30. März 2011

Peter Pakesch kündigt Peter Weibel fristlos.
Streit am steirischen Universalmuseum eskaliert nach rigorosen Sparmaßnahmen.
Der Standard – 30.3.2011 Link

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DER STANDARD – Artikel vom 29. März 2011

DER STANDARD “Das Joanneum ist mehr oder minder tot” Einsparungen: Weibel wirft Pakesch “administrative Gewalt” und VP-Buchmann “Rechtsbruch” vor.
Link: der standard – 29.3.2011 Link

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