Die Kunstzeitung – Artikel im Mai 2011

Skandal in Graz:  Pakesch und Joanneum trudeln ins Abseits

von Karlheinz Schmid

Wie man eine traditionsreiche, international renommierte Institution innerhalb kürzester Zeit zudem kurz vor dem 200. Stiftungsgeburt, mitten in der Phase des Aufbruchs, Umbaus und der Festvorbereitungen, gnadenlos (und letztlich von der Dummheit der Verantwortlichen geprägt) niedermetzeln kann, das dokumentierten derzeit in Graz der Intendant des Joanneums, der ehemalige Galerist Peter Pakesch, und sein Sparkommissar tätiger Verwaltungsdirektor Wolfgang Muchitsch. Was dieses Duo der Öffentlichkeit als Reform verkaufen will, sieht faktisch so aus, dass aus 24 Museumsabteilungen 13 gemacht werden, dass einzelne Entscheidungen offensichtlich weniger sachbezogen als vielmehr unter dem Aspekt personeller Abrechnungen mi t nicht willfährigen Mitarbeitern getroffen werden.

Vorerst krönender Höhepunkt im seit Monaten währenden Tiefgang: Die Geschäftsführung des Universalmuseums, das einst schlicht Landesmuseum hieß, kündigte soeben fristlos dem Chefkurator der Neuen Galerie, dem ZKM Direktor Peter Weibel, und schickte die seit rund zwei Jahrzehnten tätige Leiterin, Christa Steinle, in einen sogenannten Sonderurlaub. Ein Skandal. Ein Skandal auch, wie die vorzeitige Vertragsauflösung gegründet wird. Weibels Verhalten sein „dem Ansehen und den Interessen der Universalmuseum Joanneum GmbH abträglich“, so heißt es, und er, Weibel, habe dem „Ansehen unseres Hauses  Schaden  zugefügt“. Als Beweis für seine vermeintlich „geschäftsschädigenden Interventionen“, hinter denen sich aber ausschließlich die Sorge um die Zukunft des Museums  verbirgt, wurden Kopien von Zeitungsartikeln beigefügt.

Dass sich hinter diesen Rauswurf-Personalien die blanke Unvernunft verbirgt, quasi Peter gegen Peter, ahnt jeder, der seit langem beobachtet, wie Pakesch, der ehemalige kuratorische  Ziehsohn von Weibel (bereits als 23-jähriger durfte er an seiner Seite des herausragenden Künstlers, Theoretikers und Ausstellungsmachers seine ersten bildnerischen Gehversuche machen), die Aktivitäten der neuen Galerie behindert. So passt es , dass ihm der bevorstehende Umzug dieser Joanneum-Abteilunge ins Hauptgebäude (wo zum Jahresende gleich drei Weibel- beziehungsweise Steinle-Ausstellungen  eröffnet werden sollen oder sollten) nun als Zeitpunkt geeignet erschien, den wirklich heißen Überflieger Peter Weibel und die ebenfalls hochqualifizierte Christa Steinle kaltzustellen.

Dass durch diesen Schritt nicht nur aktuelle Planungen gefährdet werden (darunter die Einrichtung des Bruseums von Günter Brus oder die längst überfällige Retrospektive von Hans Hollein) und verdiente Persönlichkeiten demontiert werden könnten, sondern auch das Joanneum insgesamt einen Reputationsverlust erleidet, scheint dem Kleinmeister aus  und in Graz wenig zu stören. Womöglich ist es ihm wurscht, weil sein „pathologiescher Hass auf die Neue Galerie“ (Weibel) größer ist als jegliche Verantwortung für das komplette Joanneum. Umso weniger verständlich, dass der Pakesch-Vertrag bereits im vergangenen Jahr mehr oder weniger heimlich verlängert wurde. Laut Landesrechnungshof wäre aber eine Neuausschreibung vorgesehen gewesen. Und auch dringend notwendig, wie die aktuellen Ereignisse in Graz zeigen.

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